FORSCHERSTUBE IM OBERGESCHOSS

Ostansicht vom Schloss

Marco wartet am Schloss. Gleich nebenan wohnt er, das Grundstück der Familie Schulz grenzt direkt am Schlosspark. Im Obergeschoss liegt seine Forscherstube, und was sofort auffällt, ist die große Deutschlandkarte an der Wandschräge mit der Unmasse an schwarzen Fähnchen, die in den Ortsnamen stecken.

 

IM SCHLOSS FING ALLES AN

Südansicht aus Schlosspark

Es fing im nahegelegenen Schloss an, wo damals, 1997, noch die Lebenshilfe mit der Betreuungsstätte für Behinderte Kinder und Jugendliche saß. Marco wollte unbedingt einmal hinein, traf mit der Chefin zusammen- und die zeigte ihm alte Bilder, erzählte, stachelte auf diese Weise das Interesse des Jungen eher noch weiter an. Im gleichen Jahr ging es weiter, als er die Bekanntschaft des Herrn von Pfuel machte.

 

„Das sind meine Kontakte“, erklärt der 16-Jährige. In den sieben Jahren, die er nun schon an der Chronik arbeitet, haben sich nicht nur Dutzende, sondern beinahe Hunderte von Verbindungen ergeben. „Allein bei München und Hamburg könnte ich eine Vielzahl von Fähnchen stecken“, und bei Berlin wäre der Platz erst recht nicht vorhanden. Die 50 Kilometer entfernte alte und neue Hauptstadt ist wichtigste Fundgrube allein schon bei den Archiven. Wie kam seinerzeit ein Neunjähriger zu diesem ehrenamtlichen Job, dem sich gemeinhin Vorruheständler oder rüstigen Rentner widmen?

Der Sohn des letzten Jahnsfelder Gutsherrn und adligen Schlossbesitzers ist schließlich Gesellschafter der Öko-Agrar-GmbH, und Marco Schulz schrieb sich zunächst regelmäßig mit ihm, bis er voriges Jahr auch auf Schloss Tüßling bei München eingeladen wurde. Dort leben von Pfuel und seine Frau Stephanie, bekannt als die „Eduscho-Gräfin“ wegen ihres Fernsehwerbespots für Kaffee der Marke Gala. Familiengeschichte der Pfuels ist nicht nur infolge dieser Bekanntschaft eines der wichtigsten Forschungsthemen des Jugendlichen. Vor allem steht dahinter der Fakt, dass die Pfuels 496 Jahre über Jahnsfelde herrschten. Fast ein halbes Jahrtausend ununterbrochen Gutsbesitzer in einem Ort – das gibt es in Brandenburg kein zweites Mal. Darüber hinaus besaß die Familie ja nicht nur das Dorf, sondern beispielsweise auch noch Wilkendorf, Gielsdorf und diverse andere, was der ganzen Gegend zu Fontane-Zeiten denn auch den Beinamen „Pfuelen-Land“ einbrachte. Akkurat aufgereiht stehen bei Marco Schulz die Aktenordner im Schrank.



Quelle: Märkischer Mark,
Blickpunkt Seelow vom 08./ 09. September 2004