Streit über Finanzierung der Feuerwehren

STREIT ÜBER DIE FINANZIERUNG DER FREIWILLIGEN FEUERWEHREN IN POTSDAM

von Henning Kraudzun 29.06.2010 19:45 Uhr Märkische Oderzeitung
Frankfurt (Oder) (moz) Nachwuchsmangel, fehlende Ausbildungsplätze und vielerorts noch veraltete Technik – die Liste der Probleme bei Brandenburger Feuerwehren ist umfangreich. Ein schlüssiges Konzept fehlt trotz jahrelanger Diskussionen weiterhin.

hartnäckige Konstruktion

Innenminister Rainer Speer (SPD) ist voll des Lobes, wenn er auf die Freiwilligen Feuerwehren angesprochen wird. Deren Einsatzstärke hat er beim Oderhochwasser vor Ort beobachten können. „Es waren vor allem die ehrenamtlichen Einsatzkräfte, die die bedrohten Deichabschnitte erfolgreich gesichert haben“, betont Speer. Diese Leistungsfähigkeit sei aber nur zu sichern, wenn man sich den Herausforderungen der demografischen Entwicklung und der öffentlichen Finanzen stelle. Jetzt soll eine Expertengruppe, der Vertreter der Landesregierung, der Kommunen und des Feuerwehrverbandes angehören, über Probleme im Brand- und Katastrophenschutz diskutieren. Das erste Treffen findet kommende Woche statt.
Der Handlungsbedarf ist seit Jahren da. Seit 2005 sank die Zahl der Mitglieder in Freiwilligen Feuerwehren von 48 200 auf 46 500. Bei den Jugendfeuerwehren ist der Rückgang dramatisch: Ende der 90er-Jahre waren laut Landesfeuerwehrverband dort noch 16 000 Floriansjünger aktiv, in den vergangenen Jahren hat sich diese Zahl bei rund 11 000 eingependelt. „Noch sind die Einsätze abgesichert, nur tagsüber gibt es ein paar Probleme“, sagt der Kreisbrandmeister in der Uckermark, Wolfgang Loose. „Doch irgendwann ist Schluss, mehr dürfen nicht wegziehen.“ Auch in Märkisch-Oderland heißt es: „Es funktioniert noch.“ Oftmals helfen sich Feuerwehren gegenseitig bei Einsätzen, so Kreisbrandmeister Willi Rossow. Jugendliche würden zwar zu Brandschützern ausgebildet, „aber für ihre Lehre sind die meisten wieder weg“.
Es gibt zu wenig Anreize für das ehrenamtliche Engagement in den Löschzügen, beklagt der Landesfeuerwehrverband. Die noch im Wahlkampf vorgeschlagene Ehrenrente für alt gediente Feuerwehrleute ist wieder in der Versenkung verschwunden, ebenso die ins Spiel gebrachten Vergünstigungen etwa im Öffentlichen Personennahverkehr. „Eine Urkunde reicht vielen nicht mehr“, sagt Verbandspräsident Manfred Gerdes. Daher wünsche man sich mehr Engagement des Landes und der Kommunen. „Nur ist im Moment da nichts zu erkennen.“
Auch an der Ausrüstung werde gespart, so Gerdes. „Dies ist eine gefährliche Entwicklung.“ In manchen Wehren müssten sich Kameraden eine Schutzausrüstung teilen. Wenn alle Einsatzkräfte jedoch bei Großbränden gebraucht würden, habe man ein Problem. Auch über die Finanzierung dringend benötigter Lkw-Führerscheine für Feuerwehrleute wird auf Landesebene immer noch diskutiert.

mit freundlicher Genehmigung von: Märkische Oderzeitung