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HOBBYHISTORIKER

JÜNGSTER CHRONIST IM LAND

Vor knapp einem Jahr hat er zum ersten Mail den bisherigen Stand seiner Recherchen in einem Band zusammengestellt. Doch das Sammeln geht unablässig weiter. „Eigentlich ist jede Recherche ein Aha-Erlebnis“, meint Marco auf eine entsprechende Frage, „denn man freut sich sowohl, wenn man etwas Neues gefunden hat, als auch, wenn sich etwas bestätigt, was man bisher zwar wusste, aber noch nicht schlüssig nachweisen konnte.“ Der 16-Jährige Schüler ist durchaus ein ernsthafter Hobbyhistoriker, der sich erstaunlich tiefgründig in sein Fach eingearbeitet hat. An Authentizität einer Information ist ihm gelegen, und er weiß sehr wohl, dass es oft darum geht, Mosaiksteinchen um Mosaiksteinchen zusammenzufügen, um das Bild eines historischen Ereignisses zu erhalten. Zur frühesten Geschichte des Ortes vor dem Dreißigjährigen Krieg, bedauert Marco Schulz, hat er bisher noch nicht allzu viel in Erfahrung bringen können. Schließlich ist das die Epoche aus der am wenigsten alte Urkunden, Kirchenbücher oder ähnliches Quellmaterial erhalten geblieben sind. Ab dem 17./ 18. Jahrhundert dann wird die Informationslage deutlich besser. Und eben weil die Pfuels so lange in Jahnsfelde saßen, vieles mit ihrem Namen verknüpft ist, wird das Suchen ein weinig erleichtert. Trotzdem ist es ein enorm zeitaufwändiges Hobby. Da sich Marco um die Schule kümmern muss, bleibt nicht immer genügend an Kraft und Zeit, um allen offenen Punkten nachgehen zu können. Also hat er sich intern eine Prioritätenliste erarbeitet. Einige Themen hat er erst einmal zur Seite packen müssen, obwohl sie ihn interessieren. Dafür kann er sich nun auf das derzeit Wichtigste konzentrieren. Mit seinen „Amtskolegen“ der Umgebung, vor allem Münchebergs Heimatvereinschef Klaus Stieger, pflegt er zumindest Kontakte. Eine enge Zusammenarbeit gebe es zwar nicht, aber zumindest wisse man voneinander und auch, zu welchen Themen der jeweils andere Material hat oder besonders intensiv forscht. Beispielsweise dann, wenn Leute mit Anfragen kommen, kann man sie weitervermitteln. Von seiner Familie ist Marco bei seiner Chronistentätigkeit seit Anbeginn unterstützt worden. Vor allem von seinem Vater gibt es immer wieder nicht nur Zuspruch, sondern auch so manche Idee und Inspiration. Auch seitens seiner Mutter ist Marco positiv „vorbelastet“, arbeitet sich doch im Müncheberger Stadtarchiv. Bei seinen Recherchen hilft ihm das allerdings nicht. Denn erstens lägen dort im Grunde nur die Akten der Neuzeit, zweitens kam Jahnsfelde ja erst nach der Wende mit der ersten Gebietsreform zu Müncheberg, gehörte früher zum Kreis Seelow. Folglich sind das Brandenburgische Landeshauptarchiv in Potsdam zum Ort direkt sowie das Geheime Staatsarchiv in Berlin zur Familiengeschichte der Pfuels seine wichtigsten Recherchequellen in der Umgebung. Gibt es eine Persönlichkeit aus der örtlichen Historie, die ihn besonders fasziniert? Der junge Chronist muss einen Moment nachdenken, bevor er antwortet. Doch, eine ist da, und natürlich handelt es sich auch um einen Pfuel. Ernst, der im 19. Jahrhundert lebte, war der wohl berühmteste Vertreter der Familie, stieg zu höchsten Ämtern auf. Preußischer Kriegsminister, Ministerpräsident und Kanzler, dazu Stadtkommandant von Berlin und Paris. Das lässt sich sogar in Lexika nachlesen. „Eine besondere Persönlichkeit mit bewegten Lebensweg“, sagt Marco Schulz. Ein Freigeist, der auf seinem Schloss Goethe, Fontane und Marx zu Besuch hatte. Und der – das nun steht in keinem Nachschlagewerk – der Erfinder des Brustschwimmens ist. „Er saß am See und schaute den Fröschen zu, kam dabei darauf, es ihnen nachzumachen“, hat man bei der Erklärung Marcos beinahe das Bild des damaligen Gutsherren vor Augen.

Quelle: Märkischer Mark,
Blickpunkt Seelow vom 08./ 09. September 2004




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